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Die Patentante

Rubbelkarte für die Patentante-to-be

Viele von uns haben eine oder mehrere – jene Menschen, die uns vom Anbeginn unseres Lebens begleiten, zu der mal mehr, mal weniger Kontakt besteht, je nach Lebenssituation, deren besondere Verbindung jedoch immer bestehen bleibt: die Patentante.

Kündigt sich Nachwuchs an, so werden die zukünftigen Eltern ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Schwangerschaft mit der Frage konfrontiert: Wer soll die Patentante für mein Baby werden? Eine Patentante – übrigens ebenso einen Patenonkel – zu haben ist kein Muss, jedoch hierzulande zu einer beliebten Tradition geworden, auch außerhalb der kirchlichen Konvention, bei der es die klassischen Taufpaten sind, die konkrete Aufgaben haben und dem Kind mindestens bis zur Volljährigkeit beistehen. Eine Patentante ist heute eher so etwas wie eine gute Freundin, die neben den Eltern als weitere Bezugsperson „einspringen“ kann. Und hier liegt die Betonung auf „kann“, denn wichtig ist bei allen Ambitionen seitens der Paten, genauso wie seitens der Eltern: alles basiert auf Freiwilligkeit!

Viele Elternpaare nehmen die Frage nach den (Tauf-) Paten sehr ernst und haben konkrete Vorstellungen davon, wie oft und wie intensiv sich eine Patentante sich um das Patenkind „kümmern muss“, aber grundsätzlich ist dies eher als verbindlicher Freundschaftsdienst zu sehen, der immer dann in Anspruch genommen werden darf, wenn es auf beiden Seiten „passt“. Daher ist zunächst die Frage, wer Patentante oder Patenonkel wird, entscheidend. Vielleicht können die nachfolgenden Fragen einwenig Orientierung bieten:

  • Ist die ausgesuchte Person ein zuverlässiger Mensch?
    Dabei geht es nicht darum, ob diese immer pünktlich auf die Minute ist, sondern ob man gefühlsmässig davon überzeugt ist, dass man ihr – das entsprechende Alter des Kindes vorausgesetzt – das Patenkind ruhigen Gewissens für eine kurze Zeit auch mal überlassen könnte.
  • Hat die ausgesuchte Person überhaupt Interesse an Kindern?
    Es macht keinen Sinn, die beste Freundin zur Patentante zu ernennen, wenn man spürt, dass diese vielleicht (noch) kein echtes Interesse an Kindern hat oder sich schwer tut, eine Verbindung zu Kindern aufzubauen. ABER: Auch ein augenscheinlicher „Kinderschreck“ kann zu einer sehr guten Patentante werden, wenn sie die Herausforderung annehmen möchte. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben und auch sehr junge Menschen, für die eigene Kinder noch kein Thema sind, können beim ersten Patenkind schon mal „üben“. 😉
  • Wie tief ist die Verbindung zwischen der Person und den werdenden Eltern?
    Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn man sich bewusst macht, dass die Patenschaft für eine lange Zeit geschlossen wird, nämlich mindestens bis das Kind 18 Jahre alt ist (und natürlich oft darüber hinaus). Die Annahme einer Patenschaft kann eine Freundschaft intensivieren, da die Eltern in mehr oder weniger regelmässigen Abständen beispielsweise Fotos des Kindes versenden. Auf diese Weise bleibt man in engem Kontakt über das Kind. Umgekehrt, kann eine Patenschaft jedoch auch Probleme mit sich bringen, wenn der Erwartungsdruck (auf beiden Seiten) zu hoch ist. Zum Beispiel, wenn die Mama denkt, die Patentante müsse sich regelmässig von selbst und zu bestimmten Zeiten bei dem Kind melden. Sicher sollte sie das tun, wenn sie die Verbindung zu ihrem Patenkind aufrechterhalten will, kann sie dies jedoch nicht, weil vielleicht in ihrem eigenen Leben gerade etwas anderes ihre Aufmerksamkeit fordert, dann sollten die Eltern des Patenkindes nicht beleidigt sein. Die Hauptbezugspersonen sind immer noch sie und die Patentante bzw. der Patenonkel eine zusätzliche Freundin / ein zusätzlicher Freund.

Häufig und gerne werden Geschwister der Eltern als Patentante/Patenonkel ausgesucht, jedoch ist das gerade ein bisschen paradox – denn sie sind ja in der Regel bereits Tante oder Onkel aus eigener familiärer Bindung heraus. Eine enge Freundin oder ein enger Freund ist daher eher geeignet, die Funktion eines „Stellvertreters“ der Eltern wahrzunehmen, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, einen weiteren Ansprechpartner zu haben.

Was dürfen Eltern aber nun erwarten?
Um eine Bindung zum Kind aufzubauen, sollte die Patentante oder der Patenonkel zumindest an wichtigen Lebensstationen des Kindes teilhaben. Das kann entweder durch Briefpost oder e-Mail, manchmal aber auch durch die Anwesenheit der Patentante/des Patenonkels geschehen. Hervorzuheben wären hier besondere Tage wie Geburtstage, feierliche Anlässe wie Weihnachten oder auch die Einschulung etc.

Was dürfen Patentanten/Patenonkel erwarten?
Letztlich entscheidet das Kind, wen es als nahe Bezugsperson wahrnimmt und eine enge Bindung kann man nicht erzwingen, weder als Tante/Onkel noch als Patentante/Patenonkel. Dennoch können Eltern ihr Kind dazu animieren, sich auch von sich aus mal bei der Patentante/dem Patenonkel zu melden. Beziehungen müssen gepflegt werden und das gilt für jede Form der zwischenmenschlichen Verbindungen. Wenn das Kind alt genug ist, ist mindestens ein „Dankeschön“ an die Patentante oder den Patenonkel zu erwarten, wenn dieser einen Geschenk gemacht hat.

Fazit: Patentante/Patenonkel zu werden kann etwas ganz Besonderes sein. Oftmals wächst man in die Rolle erst hinein. Zwanglos und stressfrei ist die Devise, dann bleibt die Beziehung zum Kind ebenso relaxt. Und für das Kind gibt es fast nichts schöneres, als unter den Erwachsenen eine „beste Freundin“ oder einen „besten Freund“ zu haben, der nicht gleich alle Geheimnisse an die Eltern verrät. Dafür sind Patentanten/Patenonkel da. 😉

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